Etappe 8

Heimreise

Motto des Tages: Heimwärts über den Brenner, mit einem letzten Umweg für den Wanderstab

Heute also der allerletzte Tag — der Rücktransfer von Sterzing zurück nach Bad Wiessee. Und weil wir die ganze Tour über zuverlässig in getrennten Hotels untergebracht waren, blieben wir dieser Tradition bis zum Schluss treu: Wir bekamen nicht nur verschiedene Hotels, sondern auch gleich verschiedene Busse. Wer hätte etwas anderes erwartet.

So ging es für mich über den Brenner zurück Richtung Tegernsee — nicht jedoch, ohne den Bus beim Gasthaus Marie in Achenkirch noch einmal stoppen zu lassen. Dort hatte ich nämlich seinerzeit meinen Wanderstab vergessen, und es will sich für einen ordentlichen Alpenüberquerer nun einmal nicht gehören, ohne sein treues Gerät nach Hause zu kommen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diesmal nicht Thido, sondern ich derjenige war, der etwas hatte liegen lassen — das illustre Damenduo hätte vermutlich anerkennend genickt. Der Stab wurde jedenfalls feierlich wieder in Empfang genommen, und die Reise konnte weitergehen.

In Bad Wiessee angekommen, holten wir mein Auto ab und machten uns auf den Weg zurück nach Ravensburg — begleitet von der ein oder anderen Staurunde, die uns die deutsche Autobahn zum Abschied noch mit auf den Weg gab.

Bei sage und schreibe 38°C wurde die Sache schließlich so zäh, dass wir am Ammersee kurzerhand eine Rast einlegten. Im Restaurant Dampfschiff direkt am Wasser gönnten wir uns jeder ein wohlverdientes alkoholfreies Bier und dazu Büffelmozzarella mit Rucola und Feigen — ein letztes kleines kulinarisches Highlight, das nach all den Käspressknödlsubbm und Gershtlsubbm geradezu mediterran anmutete.

Und während wir so an der Amber saßen, die Füße endlich nicht mehr in Wanderschuhen, wurde uns langsam klar: Das Abenteuer war tatsächlich vorbei.

Fazit — Was bleibt von den vielen Kilometern über den Alpenhauptkamm ?

Sieben Etappen, rund 120 Wanderkilometer, über 3.200 Höhenmeter im Aufstieg, ein überquerter Alpenhauptkamm und eine ganze Republik an Erinnerungen — das ist die nüchterne Bilanz unseres Alpencross von Tegernsee nach Sterzing. Doch wer schon einmal eine solche Tour gegangen ist, weiß: Die Zahlen sind das Unwichtigste daran.

Was bleibt, sind die Bilder im Kopf. Der Überführer, jene 500 Jahre alte Ruderfähre am Tegernsee. Die endlose, zermürbende Forststraße bei Achenkirch. Der Mariensteig hoch über dem türkisgrünen Achensee. Der Moment, als wir völlig durchgeschwitzt die Blaubergalm erreichten und uns mit literweise Schorle zurück ins Leben tranken. Das hochalpine Bilderbuchpanorama am Pfitscherjoch. Und natürlich die Graslawine, der wir nur knapp und mit unverhoffter Eleganz entkamen.

Was ebenso bleibt, sind die Menschen. Die Belgier in ewig wechselnder Besetzung, von denen wir bis heute nicht sicher sind, ob es nun zwei Männer waren oder einer mit Teleportationsfähigkeiten.

Das illustre Damenduo, das die Tour ohne Gepäckservice, dafür aber mit einer geradezu olympischen Einkehrfrequenz meisterte und uns über mehrere Etappen hinweg als heimliches Vorbild begleitete.

Die Wirtsleute vom Gasthaus Marie, die Thido nachts höchstpersönlich heimchauffierten.

Und schließlich bleibt eine Erkenntnis, die so simpel wie wahr ist: Eine Alpenüberquerung besteht nicht aus Gipfeln und Kilometern, sondern aus den kleinen Geschichten dazwischen.

Aus verpassten Bussen und gnädigen Taxifahrern, aus unaussprechlichen Suppennamen und gigantischen Vesperplatten, aus wunden Füßen, eiskalten Kneippbecken und einem Magen-Darm-Infekt, der für mich beinahe alles beendet hätte. Aus Hitze, Schweiß, Lachen — und dem guten Gefühl, es gemeinsam bis nach Sterzing geschafft zu haben.

Würden ich es wieder tun? Aber sofort. Vielleicht das nächste Mal sogar im selben Hotel.

Bis zum nächsten Abenteuer. 🏔️

Übernachtung

Zu Hause - endlich

Fotos

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